Von Publikumsfonds sind Mischfonds am grauen Markt gefragt

Der Börsenhandel der Zukunft ist digital und erleichtert Publikumsfonds das Agieren. Die Finanzmärkte werden vom algorithmischen Handel mit Mischfonds bestimmt.

Der Börsenhandel besteht aus Emotionen. Nur ein Zehntel basiert auf Fakten (vgl. Kostolany, A.)  Große Teile der Handelsaktivitäten auf den Börsenplätzen werden heute über Computerprogramme abgewickelt – ohne Emotionen! Das Unbehagen über den von Algorithmen getriebenen Börsenhandel sucht seine Gründe in der eigenen Undurchschaubarkeit mit Kompetenzvermutung. Wenn Programme von Hochleistungsrechnern Handelsaufträge in die Handelssysteme der Börsen in Millisekunden einstellen können, kann das von bisher allein analog orientierten Menschen nicht nachvollzogen werden. Andere können das auch nicht, wissen aber von der eigenen Inkompetenz. Der Hochfrequenzhandel (HFT) kann als Beleg herhalten. Weitere Überlegungen scheitern.

Mischkonzerne, auch Konglomerate genannt, sind an der Börse nicht gern gesehen. Publikumsfonds haben die gleichen Grundlagen, sind aber Konstruktionen, die ohne Unternehmenseinflüsse in Sekundenbruchteilen geändert werden können. Ob die Gruppe der Mischfonds Vorbild für Mischkonzerne sind oder umgekehrt, steht im Raum. Das wurde oft in beiden Richtungen beobachtet. In aktuellen Handlungsphasen empfehlen Investmentbanker den Unternehmensführern Sparten zum Verkauf anzubieten. Das ist mit der Erwartung verbunden, dass Konzernteile einzeln mehr wert sein könnten als große Konzerne mit vielen Sparten. Mischfonds sind in der Gruppe der Publikumsfonds von Aufspaltungen erfreut. Damit werden neue Grundlagen für prospektiven Handel geschaffen. Branchenbezüge sind nicht relevant, sogar kontraproduktiv. Als Beispiel kann der Automobilzulieferer Continental dienen, der seine Antriebssparte abspalten und später separat an der Börse verkaufen will. Viele empfinden das eine „schöne Börsenstory“ – die Ergebnisse werden in Publikumsfonds abgepuffert.

Arbeitsweise und Einsatz von Mischfonds

Mischfonds sind von den aktiv verwalteten Publikumsfonds unter Privatanlegern zurzeit beliebt. Von offenen Publikumsfonds waren im Mai 2018 Abflüsse von 1,1 Milliarden Euro zu verzeichnen. Während des gleichen Monats konnten offene Spezialfonds 2,5 Milliarden Euro an Zuflüssen für sich verbuchen. Ende Mai verwalteten Mischfonds Vermögenswerte von annähernd 280 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 25 Prozent des in Publikumsfonds investierten Kapitals. Die Mischfonds waren unter den Publikumsfonds die einzige Gruppe, die in bedeutendem Umfang Einlagen auf sich zog. (vgl. Fondsverband BVI). Diese Fonds können in Aktien, Anleihen und verwandte Anlagebereiche anlegen. Sie können sich an ihr Marktumfeld flexibel anpassen.

Zum Vergleich halten Aktienfonds mit fast 400 Milliarden Euro den größten Anteil unter den Publikumsfonds. Der Anteil von 38 Prozent hatte zuletzt geringe Nettozuflüsse von etwa 0,2 Milliarden Euro. Langfristig zahlen sich die riskanteren Aktienfonds aus. Anleger, die monatlich 100 Euro investiert hätten, könnten nach 35 Jahren über annähernd 42 000 Euro verfügen. Das entspricht einer Jahresrendite von 7,2 Prozent. Mit europäischen Mischfonds hingegen wären es 120 871 Euro geworden, was einer Jahresrendite von 5,4 Prozent gleichkommt. Die Daten zu den genannten Sparplänen zeigen, dass solche Werte vom Zeitpunkt der Betrachtung und der Marktentwicklung abhängig sind. Im erneuten Vergleich mit deutschen Aktienfonds konnte die Rendite eines Sparplans über 35 Jahre im Juni des Haussejahres 2000 noch 11,4 Prozent jährlich erreichen. Als der Dax im Jahr 2003 bis auf 2189 Punkte fiel – aktuell werden mehr als 12 700 Punkte verzeichnet – waren es noch 7,7 Prozent im Jahr. Dabei gilt, dass auf lange Sicht kurzfristige Schwankungen weniger zu spüren sind.

Aus diesen Betrachtungen ist zu erkennen, dass pauschale Beurteilungen oder Bezug auf die Vergangenheit für die Zukunft nicht hilfreich sein müssen. Wie bei Pferderennen ist die Wette auf ein Pferd ebenso falsch wie die alleinige Investition in einen Aktienfonds. Über mehrere Jahre mag dies richtig sein. In einer Familienplanung sind diese Überlegungen mit einem Fragezeichen zu versehen. Richtig ist jedoch, dass die alleinige Investition in ein Festgeldkonto nicht nur wegen der aktuell anfallenden Negativzinsen falsch ist. Die Frage nach dem „weshalb überhaupt“ geht in die Leere. Wer mit einem großen Teil seines Vermögens in einem Jahr eine sachbezogene Investition eingehen möchte, könnte bei seriöser Planung bei dem Festgeldkonto bleiben.

Persönliche Planungen zu Mischfonds

Dispositionen sind so zu treffen, dass nicht das „große Ganze“ eingesetzt wird. Die Investition von verfügbarem Kapital in ein zur Eigennutzung vorgesehenes Einfamilienhaus sollte davon nicht mehr als 70% erfordern. Im privaten Bereich stellen sich Anlagenkonzepte ähnlich, wie es die gleichen Anleger von extern verwandelten Mischfonds erwarten. Im Grunde wird diesen im Voraus unterstellt, dass sie besonders große Sicherheit versprechen. Die Hoffnung auf höhere Renditen wird dabei eingespielt. In der Wirklichkeit führt die Sicherheit, die von einem Mischfonds ausgeht, umgekehrt proportional zu geringeren Renditen. Im Privatbereich sollte das nicht anders sein. Leider verwirrt neues EU-Recht Finanzinstitute und Privatanleger. Werden Mischfonds ausgegliedert, sollte klar sein, dass – bedingt durch unterschiedliche Ausbildung – nicht jeder Anleger in der Lage sein kann Rechenmodelle zu verfolgen, die korrekt, aber nicht nachvollziehbar sein können.

Bei qualifizierter Betrachtung der Erwartungen wird das quantifizierte Ergebnis beim Einsatz von geringerem Risiko eine verminderte Leistung erwarten lassen. Ein EU-Informationsblatt begleitet diese Betrachtungen mit Verwirrung und Ärger. Banken und Fonds drängen auf rasche Nachbesserung. Der Versuch der Europäischen Kommission, die Käufer komplexer Finanzprodukte – wie Mischfonds – mit Basisinformationsblättern aufzuklären, ist fehlgeleitet. Die selbst für mathematisch akademisch Gebildete verzerrenden Berechnungen mit nicht nachvollziehbaren Renditeangaben irritieren den Bund der Spitzenverband der Finanzinstitute. Die EU-Kommission wurde aufgefordert die Mängel abzustellen und noch im Jahr 2018 einen ändernden Gesetzesentwurf vorzulegen. Die Bundesregierung hat eine Überprüfung in Brüssel angeregt.

Fazit

Mischfonds sind Finanzprodukte, die nicht zwingend für Risiken eingehende Anleger geschaffen wurden. Diese Personengruppe möchte nicht über den Verbraucherschutz hinausgehende Angaben prüfen, sondern den dafür aufgerufenen Finanzdienstleistern vertrauen. Vorgaben in der Verordnung zu den Produktinformationsblättern für Retail- und Investmentprodukte (Priips) führen nach Ansicht von Vertretern der Finanzbranche zu für Anleger und Fachleute nicht nachvollziehbaren fehlerhaften Ergebnissen. Die bezogen auf Mischfonds anzugebenden Renditen für verschiedene Szenarien zur Wertentwicklung der Anlageprodukte stellen für Verbraucher keine belastbare Entscheidungsgrundlage dar. Grund für die teils nicht nachvollziehbaren Angaben sind nach Verständnis der EU die „abgehoben“ gesetzlich vorgegebenen Berechnungen.

Der Leser könnte aufgrund der bisherigen Darstellungen in diesem Beitrag vermuten, dass eine quantifizierte korrekte Renditekalkulation für Laien nicht möglich ist und von diesen auch nicht erwartet wird. Mischfonds sollten deshalb in ihrer „Gebrauchsanweisung“ aufzeigen, dass begleitende Informationen möglich sind, aber nicht für jeden nachvollziehbar sein müssen. Wenn die Vorgaben falsch sind, sollte die Finanzbranche damit nicht befasst werden bevor ohne Verzögerung eine Nachbesserung erfolgt.

 

2018-07-27

A-18.06-10      Mischfonds